Service nach Schweizer Art

Dass Kundenanfragen bearbeitet und beantwortet werden, ist für uns täglich Brot. Nicht aber für Christian Skaley, der in Deutschland eine regelrechte Odyssee erlebte.


«Sehr geehrter Herr Skaley, wir bedauern sehr, können wir Ihren Inhalator nicht …» Weiter muss Christian Skaley, Dozent für CAD-Konstruktionen an der Uni Kassel, nicht lesen. Er weiss mittlerweile nur zu gut, welches Blablabla noch kommt. 

Christian Skaley leidet seit Jahren an allergischem Asthma. Je nachdem, was gerade blüht und spriesst, sind seine Beschwerden stärker oder schwächer. Freunde aus den Niederlanden haben ihn auf eine ungewöhnliche, aber hilfreiche Behandlungsmethode aufmerksam gemacht: das Rauchen der Blüten der Hanfpflanze Cannabis, der ältesten Nutz- und Zierpflanze der Welt. Diese enthält mannigfaltige Wirkstoffe wie beispielsweise Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).

THC hat eine berauschende Wirkung. Daher gilt Cannabis als verbotenes Betäubungsmittel. CBD ist nicht berauschend. Diesem Wirkstoff werden beruhigende, schmerzstillende und krampflösende Wirkungen zugeschrieben. Genau das, was Christian Skaley für die Behandlung seines allergischen Asthmas benötigt. Bei seinem ersten Selbstversuch mit Cannabis ohne THC stand er vor einer unüberwindbaren Hürde. Er konnte den Rauch nicht ohne fast nicht endenden Hustenanfall inhalieren – einmal Nichtraucher, immer Nichtraucher. Daraufhin wurde der Tüftler und Konstrukteur in Christian Skaley geweckt – und die Odyssee begann. 

Damit der Rauch vor der Inhalation abkühlt und keinen Reizhusten mehr auslöst, muss der Rauchweg eine gewisse Länge haben. Gemäss den Berechnungen und Tests von Christian Skaley braucht es ungefähr einen halben Meter. Nur, ein Inhalator mit dieser Länge ist alles andere als praktisch. Die bahnbrechende Lösung bot sich in einem Kondensator in Form einer Spirale. Sieben Zentimeter der sich entwickelnden Spirale entsprechen ungefähr fünfzig Zentimeter einer Geraden. 


Das Wirbelverfahren

Nachdem Christian Skaley die Pläne gezeichnet hatte, wagte er sich an die Konstruktion. Beim Fräsen der Spirale für den Inhalator bemerkte er schnell, dass dieses Fertigungsverfahren zu zeit- und kostenintensiv ist. Auf diese Weise würde er den Inhalator nie in Serie herstellen können, wurde ihm schmerzlich bewusst. 

Eine neue Methode musste her. Er fand diese im sogenannten «Wirbelverfahren», eine Sonderform des Profilfräsens. Der Prototyp funktionierte einwandfrei und der Zeit- und Kostenfaktor stimmten ebenfalls. Endlich war Christian Skaley an dem Punkt angekommen, an dem er den Inhalator anhand einer Kleinserie als Erstbemusterung verifizieren konnte. 


Servicewüste Deutschland

Während zehn Jahren lief er von Pontius zu Pilatus. Er führte mit unzähligen Fertigern in Deutschland Gespräche, versandte Pläne, forderte Offerten an und besuchte Fachmessen. «Wir können nicht.» «Wir wollen nicht.» Dies sind einige der Antworten auf seine Anfragen. Die grossen Produktionsfirmen wenden zwar das Wirbelverfahren an, aber ihnen war der Auftrag zu klein. Bei den Familienbetrieben fehlte oft das Fachpersonal oder die notwendige Wirbelmaschine beziehungsweise eine Leitspindeldrehmaschine mit Wirbelzusatzgerät. Häufig hörte er nach einer Anfrage gar nichts mehr. Es zermürbte Christian Skaley zusehends. «Servicewüste Deutschland» war noch das Netteste, was ihm dazu einfiel. 

Eines Abends sass Christian Skaley vor seinem Computer. Er suchte nicht mehr nach Fertigungsbetrieben in Deutschland, sondern nach Bildern von Knochenschrauben. Wer solche Teile anfertigen kann, kann auch die Spirale für den Inhalator anfertigen, so seine Überzeugung. Eine Schraube stach besonders hervor. Sie sah seiner Spirale zum Verwechseln ähnlich. Das Bild führte ihn zur Firma Samuel Werder AG Feinwerktechnik in Veltheim. Weder von der Firma noch vom Ort hat er bisher etwas gehört. Er schaute sich das Unternehmen virtuell an und war begeistert vom modernen Maschinenpark. «Wieso nicht in der Schweiz produzieren lassen?», dachte sich Christian Skaley, als er das Kontaktformular auf der Webseite ausfüllte. Die deutschen Firmen haben schliesslich ihre Chance gehabt. 


Endlich kommt Schwung in die Sache

Anderntags meldete sich Raphael Vögtli von der Firma Samuel Werder AG Feinwerktechnik telefonisch bei Christian Skaley. Dieser konnte es fast nicht glauben. Noch nie wurde er so schnell kontaktiert – unfassbar. Raphael Vögtli war nicht nur schnell, sondern konnte ihn auch mit seinem Fachwissen überzeugen. Nach einem halbstündigen Gespräch erhielt er von Raphael Vögtli die Zusage für die Fertigung der Spirale als Prototypen die er in Deutschland in den letzten zehn Jahren nie bekam. 

Raphael Vögtli sandte ihm eine konkrete Offerte. Die Sorge, dass die Herstellung in der Schweiz extrem teuer wird, bestätigte sich nicht. Christan Skaley gab die Fertigung in Auftrag. Eine Woche später erhielt er einen Anruf von Raphael Vögtli. «Es tut mir wahnsinnig leid, wir können die Spirale nicht mit unseren Werkzeugen herstellen.» Auf einen Schlag verlor Christian Skaley sämtliche Hoffnungen. «Wir können aber von einem anderen Feinwerktechnikbetrieb das passende Werkzeug ausleihen. Die Lieferung verzögert sich deswegen ein wenig. Den Preis können wir aber halten», führte Raphael Vögtli weiter aus. Erleichtert entspannte sich Christian Skaley. Er hatte noch nie erlebt, dass sich ein Angestellter einer Firma so ins Zeug legt. 

Die Musterteile  wurden ihm wie versprochen geliefert. Sobald die Marktanalyse erfolgreich abgeschlossen ist, wird die Vertriebs- und Marketingmaschinerie gestartet, und er kann hoffentlich noch viele Tausend Teile bei der Firma Samuel Werder AG Feinwerktechnik in Auftrag geben. Mittlerweile schiessen Hanfläden, die THC-freies Cannabis anbieten, wie Pilze aus dem Boden. Nicht nur in Deutschland, auch im übrigen Europa ist dieser Trend zu beobachten. Diese Tatsache beflügelt Christian Skaley, und er ist felsenfest überzeugt, dass sein Inhalator mit dem Maschinenbau-Touch im Markt einschlägt. Design-technisch ist er wunderschön und könnte glatt als Apple-Produkt durchgehen – einfach günstiger. 

PS: Der Inhalator ist noch in der Testphase. Da sich Christian Skaley vor Nachahmungstätern schützt, wird auf eine Abbildung des Endproduktes verzichtet. Der Kondensator, den die Firma Samuel Werder AG Feinwerktechnik produzierte, darf jedoch gezeigt werden.


Text: Businessmind GmbH

Nach eigenen Angaben wurde Christian Skaley von seinem ehemaligen Chef als «schrulliger Konstrukteur» bezeichnet.
Spirale oder Kondensator für den Inhalator aus Edelstahl im Vergleich mit einer Knochenschraube.
Der Kondensator wird in das Gehäuse des Inhalators gebaut.

Ihr Ansprechpartner

Vögtli Raphael
Raphael Vögtli
Kaufmännischer Geschäftsleiter
056 463 66 02

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